Harzfuchs Forum
Willkommen

Um alle Funktionen des Forums nutzen zu können,
Melden Sie sich einfach hier kostenlos an.

Mitglieder können sich hier einloggen.

Um dieses Fenster zu schließen Klicken Sie:

Nicht mehr anzeigen...

Aktuelles Datum und Uhrzeit: Di Sep 07 2010, 01:33

Startseite­Harzfuchs Gästebuch­FAQ­Regeln­Suchen­Anmelden­Login
Neues Thema eröffnen   Eine Antwort erstellenAustausch | Neuste Beiträge seit ihrem letzten Besuch
 

 Finkenmanöver

Vorheriges Thema anzeigen Nächstes Thema anzeigen Nach unten 
AutorNachricht
Ch.&Wolfgang

Moderator
Moderator


Anzahl der Beiträge: 2941
Land:
Bundesland: Niedersachsen


BeitragThema: Finkenmanöver   Mo Mai 24 2010, 11:51

Markus Wollnik:

Finkenmanöver — eine Harzer Eigenart

„Wir sind alle überzeugte Frühaufsteher", versichert Wettkampfleiter Spoermann und kommt damit gleich auf die gewissermaßen erste Pflicht sämtlicher Finkenbrüder, wie sie sich selbst nennen, zu sprechen, „denn in den frühen Morgenstunden schlägt der Buchfink am kräftigsten".
Und wenn sich das halbe Dutzend Harzer Finkenvereine inzwischen für seine traditionellen Finkenmanöver auf einen Starttermin von 7 Uhr geeinigt hat, so ist darin vor allem ein Entgegenkommen an die interessierten Besucher zu sehen. „Zwei Stunden früher wäre eigentlich das Ideale", ist die Meinung der Finkenbrüder. An diesem Pfingstsonntag ist der Finkensportverein Hohegeiß Ausrichter, 150 Buchfinkenhähne sind auf dem Dorfsportplatz mitsamt ihren Besitzern am Start.
Für mich, dem von Haus eher Morgenmuffligen, hat sich das frühe Aufstehen schon jetzt gelohnt. Die Anfahrt allein war ein Erlebnis für sich: Eine in den schönsten Rot- und Orangetönen glühende Sonne tauchte da klar aus den Harzer Nadelwäldern auf, während ringsum in den kleinen Talsohlen noch Nebelbänke waberten. Über der ansteigenden Straße vereinigten sich Sonnenstrahlen und steigende Nebel zu einer warmen, eindrucksvoll atmenden Masse.
„Sind alle Käfige besetzt? Genau 30 Sekunden ist jetzt noch Zeit . . ." Für die Auftaktdisziplin, dem Distanzsingen, ist eine Bretterstellage einmal um das ganze Fußballfeld herum errichtet worden (Abb. 1). Auf ihr stehen die in weiße Nessel- und Leinentücher gehüllten Vogelbauer in einem Abstand von einem Meter. „Alle gehen einen Käfig nach rechts", ertönt wieder die Stimme des Wettkampfleiters aus dem Lautsprecher. Schließlich soll niemand seinen eigenen Liebling beurteilen; denn die nächste halbe Stunde gilt es, alle gesungenen Schläge auf einem eigens vorbereiteten Zettel zu notieren (Abb. 2). Den Sieg über seine akustisch rivalisierenden Artgenossen sollte am Ende mit 429 geschmetterten Schlägen ein besonders stimmgewaltiges Exemplar für den Finkenclub Altenau davontragen. In die Wertung fallen stets nur ganze Schläge, keine abgebrochenen. An diesem Punkt entzünden sich immer wieder die Gemüter der Züchter.




Eine aufwendige Lattenstellage ist die Bühne,auf der das Distanzsingen ausgetragen wird.


Die weitverbreitete Annahme, was die Finkenmännchen da aus Leibeskräften schmettern, sei ihre Balzmelodie, trifft nicht zu. Vielmehr handelt es sich um eine Drohgebärde, mit der die Vögel ihre Reviere gegen Nebenbuhler verteidigen. Deshalb sind die Käfige auch mit Stoff bespannt. Denn könnten die Finkenhähne einander sehen, so würde ihnen die unnatürlich zusammengeschrumpfte Distanz zum jeweiligen Eindringling einen Kampf auf Leben und Tod signalisieren. Einer solchen psychischen Belastung will kein wahrer Finkenbruder die eigenen gefiederten Schützlinge aussetzen.
Die nächste Runde wird eingeläutet. Mit der sogenannten Starkklasse steht zugleich die älteste Spielart der Buchfinkenliebhaberei auf dem Programm; urkundliche Hinweise gehen bis ins späte Mittelalter zurück, wo der Finkenwettstreit nicht nur im Harz, sondern auch im Erzgebirge und im Thüringer Wald ein beliebter Volkssport war. Bei dem Starksingen werden die verhängten Bauer kreisförmig auf den Boden gestellt. Zwei Meter beträgt zunächst der Abstand von Käfig zu Käfig. Nach fünf Minuten bleiben nur jene Finkenhähne im Rennen, die auch gesungen haben. Auf diese Weise zieht sich der Kreis im Fünf-Minuten-Takt immer enger zusammen. Das Finale entwickelt sich auf dem Hohegeißer Rasenplatz fürs erlauchte Finkenvolk wie auch für die dicht gedrängt horchenden Züchter und Experten zu einem buchstäblichen Kopf-an-Kopf-Rennen. Auf einem runden Lattenpodest bilden die durchsetzungsfähigsten Vögel in ihren weißen Käfigen einen lük-kenlosen Kranz (Abb. 3). Wie von dem Kommandoturm eines U-Bootes aus gibt der Wettkampfleiter — der durch ein Loch in der Mitte des Plateaus hervorlugt - das Startzeichen für die Endausscheidung: Der Fink, der nach erneuten fünf Minuten die meisten Schläge für sich verbuchen kann, ist endgültig Triumphator in der Arena.
Ein altüberlieferter Spruch aus dem Harz lautet: „Was dem Jäger das Wild, was dem Maler das Bild, was dem Reichen des Geldes Klang, ist mir der Fink und sein Gesang." „Bergleute, Köhler und Waldarbeiter", erzählt Dieter Spoermann, „also alles sehr naturverbundene Menschen", seien es gewesen, die im Harz den Brauch der Finkenmanöver über die Jahrhunderte hin aufrechterhielten. Über fünf Generationen kann Karl Nietmann aus Altenau den Ursprung für seine Passion zurückverfolgen. Noch gut ist dem 82jährigen, der sieben Finkenhähne sein eigen nennt, die Zeit in Erinnerung, wo ein stimmbegabtes Exemplar der bunten Singvögel manches Mal gegen eine Kuh eingetauscht wurde. Früher sei er auch mit Schlagnetz und Leimrute auf Finkenfang gegangen. Aber das ist über ein halbes Jahrhundert her und heute längst verboten.



Für die Endausscheidung in der Starkklasse werden die Käfige dicht an dicht zu einem Ring zusammengestellt.
Der Platz für Wettkampfleiter Spoermann ist nun eine Luke in der Mitte der Bretterplattform.



Die Finkenmanöver, die man überwiegend in der Pfingstzeit in Altenau, Clausthal-Zellerfeld, Hohegeiß, Nesselröden, St. Andreasberg und Wieda sowie in Braunschweig (dem äußersten Eckpfeiler in Sachen Finkensport) miterleben kann, werden heutzutage allesamt nur noch von gezüchteten Tieren bestritten. Und so ist ein Finkenliebhaber inzwischen fast immer auch ein Züchter. Viele Finkenschläge - Experten unterscheiden allein im Harz etwa 50 — sind überhaupt nur durch die Zucht erhalten geblieben. Wo der Laie nämlich günstigenfalls den Gesang des Buchfinkens heraushört, entdeckt der Kenner mit geschultem Feingehör viel mehr. Das fängt mit den auffallend voneinander abweichenden Dialekten von Gebirgs- und Flachlandfinken an und hört bei dem „Putzebart", dem „Reiterspazier" oder dem „Kleinhoch" - alles spezielle Schläge Harzer Provenienz - auf. Allerdings, „der beste Schlag, der ,Rollreiter', ist schon lange ausgestorben", wie Karl Nietmann mit sichtbarem Bedauern auf der Miene berichtet.
Wie ein unzeitgemäßes Urvölklein, das über kurz oder lang vom Aussterben bedroht ist, fühlen sich die heutigen Finkenbrüder zuweilen aber auch selbst. Zu dem Hobby nämlich, für das man früher straßenweise vor der Arbeit zusammenkam, fühlen sich Harzer Jugendliche heute kaum hingezogen. „Die haben anderes im Kopf", meint traurig lächelnd der alteingesessene Altenauer Karl Nietmann. Und Dieter Spoermann fügt hinzu: „Man muß schon gern Frühaufsteher sein!"



Der 82jährige Karl Nietmann aus Altenau läßt auch heute noch kein
Finkenmanöver in seiner Harzer Heimat aus.


Co. Allgemeiner Harz-Berg-Kalender 1989

Glückauf
Christa & Wolfgang
Nach oben Nach unten
Harzfüchslein

Alter Harzfuchs
Alter Harzfuchs


Anzahl der Beiträge: 782
Land:
Bundesland: Niedersachsen

http://www.harzerfuchs-rudel.de

BeitragThema: Re: Finkenmanöver   Mo Mai 24 2010, 12:07

Hab dazu noch "was nettes" gefunden was sich jeder einmal durchlesen sollte
KLICK


Ich weise darauf hin das der gesammte Text meinem Copyright unterliegt!
Texte
oder Fotos dürfen nur mit meiner ausdrücklichen Genehmingung
anderweitig genutzt werden!
[i]
Nach oben Nach unten
Fizgerald

Harzfuchs Profi
Harzfuchs Profi


Anzahl der Beiträge: 571
Land:
Bundesland: Bremen


BeitragThema: Re: Finkenmanöver   Mo Mai 24 2010, 12:12

Danke für den schönen Beitrag. Haben wir aber heute wieder was dazu gelernt. Ein schönes Foto von Karl Nietmann. Sicher gibt es ihn heut auch nicht mehr, wenn der Kalender von 1989 ist. Ja, ja, die schööönen alten Zeiten...


Von den Stadtmusikanten grüßt Heide

Frauen sind Engel. Wenn man ihnen die Flügel bricht,
fliegen sie trotzdem weiter... ...auf einem Besen!

Nach oben Nach unten
Noldi

Alter Harzfuchs
Alter Harzfuchs


Anzahl der Beiträge: 1978
Land:
Bundesland: Bayern


BeitragThema: Re: Finkenmanöver   Mo Mai 24 2010, 13:32

Wolfgang, vielen Dank für den sehr interessanten Beitrag !
Nach oben Nach unten
Joachim

Moderator
Moderator


Anzahl der Beiträge: 3053
Land:
Bundesland: Niedersachsen


BeitragThema: Re: Finkenmanöver   Mo Mai 24 2010, 16:52

Hallo Ihr Beiden,
schön, mal wieder etwas von Euch in dieser Rubrik zu lesen. Daumen Hoch

Hatten schon gedacht, Euch wäre der Stoff ausgegangen. Embarassed


Liebe Grüße


Ursula & Joachim mit Archi & Snuggles
Nach oben Nach unten
Ch.&Wolfgang

Moderator
Moderator


Anzahl der Beiträge: 2941
Land:
Bundesland: Niedersachsen


BeitragThema: Re: Finkenmanöver   Mo Mai 24 2010, 17:36

Hallo Ihr Zwei,

So schnell geht uns der Stoff nicht aus, da braucht es noch eine Weile. Leider gehen seit längerem die Tonaufnahmen nicht, Frank glaubt jetzt eine Lösung gefunden zuhaben. Schaun wir mal.

Glück Auf

Christa
Nach oben Nach unten
 

Finkenmanöver

Vorheriges Thema anzeigen Nächstes Thema anzeigen Nach oben 
Seite 1 von 1

Forenbefugnisse:Sie können in diesem Forum nicht antworten
Harzfuchs Forum :: Gastbereich :: Oberharzer Mundart-
Neues Thema eröffnen   Eine Antwort erstellen
Neuste Beiträge seit ihrem letzten Besuch
Startseite