Andreasberg hatte einmal mehr als dreimal soviel Einwohner wie Gelsenkirchen
Noch im Mittelalter lebten in München nur etwa 10.000 Menschen, ebensoviele in Frankfurt,
während Köln, damals die größte deutsche Stadt, rund 30.000 Einwohner in seinen Mauern
beherbergte. Das war eine beachtenswerte Ausnahme, gab es doch in ganz Deutschland nur
ungefähr 160 Orte mit mehr als 1.000 Einwohnern. Bei etwa 25 lag die Zahl der Bewohner
zwischen zwei- und zehntausend, und nur etwa 15 hatten mehr als 10.000 Einwohner.
Im 12. und 13. Jahrhundert wetteiferten Fürsten und Könige miteinander in der Anlage von
Märkten und Städten. Am einfachsten war, eine bereits bestehende Kaufmannssiedlung oder ein
stattliches Dorf zur Stadt zu erheben, mit Mauern zu umgeben und mit Marktrecht und anderen
Privilegien auszustatten. Daneben erfolgten Stadtgründungen aus »wilder Wurzel«, wo also
vom Landesherrn Siedler in eine bisher unberührte Landschaft etwa zur Hebung von Bodenschätzen
gerufen wurden, wie das bei Andreasberg der Fall war. Trotzdem hielten sich die Einwohnerzahlen
überall in bescheidenen Grenzen. Etwa 80 % der mittelalterlichen Städte waren kaum mehr
als ummauerte Dörfer. Das bleibt auch weiterhin bei vielen so, während sich andere durch
wirtschaftlichen Aufschwung und wachsenden Handel zu Großstädten entwickelten.
So war die Bergstadt St. Andreasberg selbst im Jahre 1819 mit 3283 Einwohnern
noch wesentlich größer als Bochum mit damals nur 2.000 Bewohnern oder
gar Gelsenkirchen mit nur 900 Bürgern. Sie konnte sich auch neben Duisburg
und Essen mit je 5000 Einwohnern durchaus noch sehen lassen, während
Clausthal damals bereits 11 000 Bewohner zählte.
Und so setzte sich die Bevölkerung der Bergstadt damals zusammen: es gab 647 erwachsene
Männer und 582 Frauen. Sie hatten 805 Söhne und 765 Töchter. Außerdem gab es in der Stadt
198 (!) Witwen und 38 Witwer. Ledige Personen wurden 161 gezählt, dazu 26 Gesellen und 10
Lehrbuben, 10 Diener und Knechte und diestattliche Zahl von 41 Dienstmädchen.
Co. Festschrift 500 Jahre St.Andreasberg